Die Sickelpodsamen – Jue Ming Zi (Cassiae semen) – werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vorwiegend als ein Arzneimittel zu Kühlung des Funktionskreises Leber eingesetzt. Erstmalige Erwähnung findet diese Arznei im Shen Nong Ben Cao Jing.
Pinyin:
Jué Míng Zi
Synonym:
Cassiae torae Semen, 草决明, Cao Jue Ming
Familie:
Fabaceae (Hülsenfrüchtler)
Unterfamilie:
Caesalpinioideae (Johannisbrotgewächse)
Stammpflanze:
Cassia tora, Cassia obtusifolia
Deutscher Name:
Sicklepodsamen, Cassia-Samen
Englischer Name:
Foetid Cassia Seeds, Seeds of Realized Brightness
Vorkommen:
Jue Ming Zi (Cassiae semen) ist überall in China zu finden.
Sammlung, Aufbereitung, Lagerung:
Die Sickelpodsamen werden im Herbst gesammelt, wenn sie reif sind. Sie sollten kühl und trocken gelagert werden. Kurz vor dem Gebrauch werden sie zerstoßen bzw. zerkleinert.
Tatsächlicher Geruch und Geschmack:
Jue Ming Zi (Cassiae semen) hat einen leichten Geruch und schmeckt leicht bitter.
Temperaturverhalten:
neutral mit kalter Tendenz
Geschmack:
süß, bitter
Funktionskreisbezug:
Leber, Gallenblase, Niere
Wirkrichtung:
absenkend
Wirkort:
Kopf und Augen
Wirkungsweise:
Eine physiologisch-pharmazeutische Wirkung konnte bei Arteriosklerose, Hypercholesterinämie festgestellt werden. Weiterhin wirkt Jue Ming Zi (Cassiae semen) unter Laborbedingungen antibiotisch (gegen Mikroorganismen) und in Tierexperimenten antihypertensiv (blutdrucksenkend).
Traditionelle Verwendung:
- Kühlen von Hitze;
Anwendung bei geröteten, geschwollenen Augen; - Ausleiten von Glut;
Anwendung bei geröteten, schmerzhaften, lichtempfindlichen Augen, Tränenfluss, Glaukom (Grüner Star), Schwindel, Drehschwindel; - Klären von Augen und Kopf;
Anwendung bei verschwommenem Sehen, geröteten, geschwollenen, lichtempfindlichen Augen, Tränenfluss; - Ausleitung von Hitze bei Wind;
Anwendung bei geröteten, schmerzhaften, juckenden, licht- und windempfindlichen Augen; - Absenken des Yang;
Anwendung bei Schwindel, Drehschwindel, Kopfschmerzen, Hypertonie; - als Laxativum (leichtes Abfühmittel);
Anwendung bei Opstipation (Verstopfung) insbesondere bei Leber-Yin-Schwäche
Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin:
10 g bis 30 g; Standard 10 g
Kochzeit:
20 Minuten; Kurz vor dem Gebrauch werden die Samen zerstoßen bzw. zerkleinert, damit das Wasser gut in das Innere der Samen eindringen kann.
Kombination mit anderen Arzneien der TCM:
- bei Glut im Funktionskreis Leber mit Rötung der Augen, Schwellung der Augen, Augenschmerzen, Tränenfluss, Glaukom (Grüner Star), Schwäche im Funktionskreis Niere
zusammen mit Sha Yuan Zi (Astragali complanati semen), Nu Zhen Zi (Ligustri lucidi fructus), Gou Qi Zi (Lycii fructus), Sheng Di Huang (Rehmanniae radix); - bei Glut im Funktionskreis Leber oder Hitze-Wind mit Rötung der Augen, Augenschmerzen
zusammen mit Ju Hua (Chrysanthemi flos), Sang Ye (Mori folium); - bei Hitze oder Glut im Funktionskreis Leber mit Augenaffektionen
zusammen mit Xia Ku Cao (Prunellae spica), Zhi Zi (Gardeniae fructus); - bei temporalen Kopfschmerzen hervorgerufen durch Hitze-Wind
zusammen mit Gao Ben (Ligustici sinensis rhizoma et radix), Man Jing Zi (Viticis fructus); - bei Trockenheit in den Funktionskreisen Dünn- und Dickdarm in Verbindung mit Obstipation (Verstopfung)
zusammen mit Dang Gui (Angelica sinensis radix); - bei Obstipation (Verstopfung) mit Mundgeruch, Rötung der Augen, dunklem, spärlichem Urin
zusammen mit Dan Zhu Ye (Lophatheri herba).
Verträglichkeit mit anderen chinesischen Arzneien:
- Die Wirksamkeit wird gestört durch Huo Ma Ren (Cannabis sativae semen)!
- Reduziert die Giftigkeit von Zhu Sha (Cinnabaris).
Schwangerschaft:
Jue Ming Zi (Cassiae semen) kann auch während der Schwangerschaft angewendet werden.
Warnhinweis:
- Nicht anwenden bei Durchfall in Verbindung mit einer Schwäche der Mitte!