Jedes Jahr im Monat Juni nehmen in China rund zehn Millionen Schüler an den landesweiten Hochschulzugangsprüfungen teil. Diese zwei Tage lang dauernden Prüfungen, chinesisch "Gaokao" genannt, sind eine Art Zentralabitur und eine der wichtigsten Prüfungen die den weiteren Lebensweg der chinesichen Jugendlichen entscheidend bestimmt. Teil der Prüfungen sind beispielsweise neben naturwissenschaftlichen Aufgaben ein kurzes Essay und englische Lückentexte. Das Ergebnis entscheidet darüber, wer in China sozial aufsteigen kann. Je besser der erreichte Punktestand ist, desto höher ist die Chance an einer der besten Universitäten studieren zu können.
Unter den rund 1600 staatlichen Universitäten in China gibt es nur sehr wenige, die den internationalen Standard erreichen und damit auch am begehrtesten sind. Dadurch entsteht ein enormer Leistungsdruck für jeden Teilnehmer. Nur rund 0,3 Prozent der Teilehmer erreichen die Aufnahme an eine der begehrten Universitäten in Peking oder Shangai.
Die Prüfungen sind für jede Familie enorm wichtig. Betrugversuche, mit den Eltern versuchen ihre Kinder möglichst gut durch die Prüfungen zu bringen, sind daher nicht selten. Teilweise wird dafür auch ein hoher technischer Aufwand betrieben. So rüsten Eltern ihre Kinder mit kleinen, kabellosen Ohrsteckern in der größe einer Sojabohne aus, um ihnen die Lösungen der zuvor durch Bestechung erhaltenen Prüfungsaufgaben zu übermitteln.
Andere Methoden bestehen im scannen und übermitteln der Aufgaben nach außen durch den Schüler selbst. Zuvor bestochene Lehrer lösen die Aufgaben mit hoher Geschwindigkeit und übermitteln die Lösungen zurück an den Schüler. Aufgefallen waren diese Vorfälle, weil der Polzei ungewöhnliche Funksignale in der Nähe der betreffenden Schulen aufgefallen waren.
Auf Grund der Wichtigkeit der Prüfungen und des hohen Aufwandes für Betrugsversuche, gelten die Prüfungsaufgaben in China als "Staatsgeheimis" und werden in Safes mit bewaffneter Bewachung unter Verschluss gehalten. Wie die britische Tageszeitung "The Gardian" berichtet sind die versiegelten Umschläge für die diesjährigen Prüfungen von "secret" auf "top secret" hochgestuft worden. Die Behörden versuchen mit strengen Gesetzen Betrugsversuchen vorzubeugen. Solche Versuch sind mit der illegalen Beschaffung von Staatsgeheimnissen gleichgestellt. Es wurden bereits Strafen von bis zu 36 Monaten Freiheitsentzug für Eltern, die ihren Sprößlingen auf solche Weise unter die Arme greifen wollten, verhängt.
Zur Verhinderung solchen Hightech-Betruges erwägen die Behörden für Funkzulassungen in Peking auch auch die Störung der gesamten Funknetzte rund um Schulen zu stören. Die Auswirkungen auf reguläre Nutzer während der Prüfungszeit werde dabei in Kauf genommen.
Solche radikalen Maßnahmen sind durchaus nicht unwahrscheinlich. Zur Vermeidung von Ruhestörungen und der Sicherstellung des Pünktlichen Erscheinens der Prüfungsteilnehmer wurde in der Vergangenheit schon oft der Straßenverkehr rund um Schulen, in denen die Prüfungen abgehalten werden, komplett gesperrt und umgeleitet.
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