Gan Cao (Glycyrrhizae radix) zählt zu den wichtigsten tonisierenden Kräutern der Traditionellen Chinesischen Medizin. Shen Nong beschreibt diese Arznei als „süß und ausgewogen für die Behandlung der fünf Zang-Organe, sechs Fu-Organe, von Kälte und Hitze, sowie üblem Qi.“ Gan Cao (Glycyrrhizae radix) wird ähnlich wie Da Zao (Jujubae fructus) oft dazu verwendet, die Wirkung anderer Kräuter auszugleichen.
Familie:
Fabaceae (Schmetterlingsblütler)
Stammpflanze:
Glycyrrhiza uralensis
Pinyin:
gān cǎo
Deutscher Name:
Ural-Süßholzwurzel
Englischer Name:
Liquorice Root
Vorkommen:
Gan Cao (Glycyrrhizae radix) ist in den Provinzen Gansu, Innere Mongolei, Shanxi, Xinjiang und im nordosten Chinas zu finden.
Sammlung, Aufbereitung und Lagerung:
Die Süßholzwurzeln werden im Frühling oder im Herbst ausgegraben, gereinigt und an der Sonne getrocknet. Sie sind gut belüftet und trocken zu lagern und vor Insektenfrass zu schützen.
Temperaturverhalten:
neutral
Geschmack:
süß
Funktionskreisbezug:
Herz, Lunge, Milz, Magen
Wirkrichtung:
emporhebend
Wirkort:
Mitte, Mittleres Calorium
Wirkungsweise
- antibakteriell, entzündungshemmend, krampflösend, galletreibend
- lindert Husten
- senkt den Blutdruck
Traditionelle Verwendung
- leitet Hitze ab und neutralisiert Feuergifte; Anwendung bei
Magenkrämpfen, Krämpfen im Unterbauch, Racheninfektionen, Hautgeschwüren, Ulzerationen, Furunkeln und Karbunkeln; - befeuchtet die Lunge und leitet Schleim aus; Anwendung bei
Schleimhusten, Keuchen und asthmoiden Zuständen; - lindert Krämpfe und Schmerzen; Anwendung bei
Unruhezuständen und Nervosität; - kräftigt die Qi-Funktion und stützt den Funktionskreis Milz; Anwendung bei
Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Ermattung, sowie bei Angstzuständen mit Kurzatmigkeit und Palpitationen; - gleicht die Wirkung anderer Kräuter aus, harmonisiert sie untereinander und setzt die Toxizität von Arzneimitteln herhab.
Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin
- 2g bis 15g
Kombination mit anderen Kräutern
- mit Dang Shen (Codonopsitis radix) bei Beteiligung des Milz-Qi mit Appetitlosigkeit und bei lockeren Stühlen;
- mit Bai Shao Yao (Paeoniae lactiflorae radix) bei Bauchbeschwerden mit Leberschwäche, bei Darmkrämpfen und Muskelkrämpfen;
- mit Xing Ren (Armeniacae pruni semen) und Chuan Bei Mu bei trockenem Husten in Verbindung mit Hitze;
- mit Jie Geng (Platycodi radix), Niu Bang Zi (Arctii fructus) bei Schmerzen und Schwellung des Halses bei Halsproblemen wie Schmerzen und Schwellungen;
- mit Jin Yin Hua (Lonicerae flos) bei Hautausschlag in Verbindung mit Feuchte;
- mit Ma Huang (Ephedrae herba) und Xing Ren (Armeniacae pruni semen) bei Windkälte im Funktionskreis der Lunge mit Husten, Keuchen;
- mit Pu Gong Ying (Taraxaci herba) bei Abszessen, toxischen Schwellungen.
Verträglichkeit mit anderen Arzneien:
- Gan Cao (Glycyrrhizae radix) sollte nicht mit Gan Sui (Euphoriae radix), Yuan Hua(Daphne genkwa flos) und Hai Zao (Sargassii herba) kombiniert werden.
- Die Wirkung wird durch Schweinefleich herabgesetzt:
- Die Wirkung wird durch Yuan Zhi (Polygalae radix) gestört;
- Die Wirkung wird gefördert durch Ku Shen (Sophorae radix) und Cang Zhu(Atractylodis lanceae rhizoma);
- Gan Cao (Glycyrrhizae radix) dämft die Giftigkeit von Wu Zhu Yu (Evodiae fructus) rutaecarpae, Fu Zi (Aconiti praeparata radix) und anderen toxischen Arzneien.
Klassische Rezepturen:
Xiao Jian Zhong Tang
Forschungsergebnisse:
Durch wissenschaftliche Untersuchungen konnten folgende Wirkungen festgestellt werden:
- Anregung der Sekrete;
- exspektorierend, antiphlogistisch, spasmolytisch;
- positive Wirkung bei Katarrhen der Luftwege;
- positive Wirkung bei chronischer Gastritis;
- positive Wirkung bei Magengeschüren (Ulcus ventriculi) und Geschwüren im Zwölffingerdarm (Ulcus duodeni).
Schwangerschaft:
Gan Cao (Glycyrrhizae radix) sollte während der Schangerschaft mit Vorsicht angewendet werden!
Warnhinweis
- Bei übermäßiger Feuchte und Anspannung sollte Gan Cao nicht angewendet werden!