Die Schalen von Austern, Mu Li (Ostrea concha), werden in der traditionellen chinesischen Medizin als ein absenkendes und den Geist beruhigendes Arzneimittel verwendet.
Traditionelle Langschrift:
牡蠣
Pinyin:
Mǔ Lì
Familie:
Ostreidae (Austern)
Zoologischer Name:
Ostrea gigas
Deutscher Name:
Austernschalen
Englischer Name:
Oyster Shell
Temperaturverhalten:
tendenziell kalt
Geschmack:
salzig
Funktionskreisbezug:
Leber, Niere, Herz
Wirkrichtung:
absenkend
Wirkort:
unterer Wärmebereich (Calorium), Tiefe, Inneres
Traditionelle Verwendung:
- Absenkung des Yang; Anwedung bei
Erregungszuständen, Nervosität, Schreckhaftigkeit, Palpitationen (bewusste Wahrnehmung des eigenen veränderten Herzschlags), Schlaflosigkeit; - Beruhigung und Ausgleich; Anwedung bei
Unruhezuständen und Schlaflosigkeit; - Harmonisierung und Stützung des Funktionkreis Leber; Anwendung bei
Schwindel, Sehstörungen, unscharfes Sehen, Krämpfen, Tinnitus, Kopfschmerzen; - Adstringieren (zusammenziehen) und Sammeln; Anwendung bei
Schwäche des Nieren-Yin, periodisch wiederkehrendes Fieber, Schwitzen während des Schlafes, spontanes Schwitzen, gynäkologischen Blutungen, Spermatorrhö; - Lösen von Zusammenballungen; Anwendung bei
Schwellungen des äußeren Halses, Schwellungen im Brustbereich, Verdickungen der Lymphknoten im Bereich des Kopfes, des Nacken oder der Leisten; - Beseitigung von Schmerzen; Anwendung bei
epigastrischen (zum mittleren Oberbauch gehörenden) Schmerzen, Sodbrennen, saurer Geschmack im Mund, Absorbtion der Magensäure.
Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin:
10 g bis 30 g; Standard 15 g
Kochzeit:
60 Minuten; Zunächst werden die zerkleinerten Austernschalen 40 Minuten lang vorgekocht und anschließend mit den übrigen (eingeweichte) Bestandteilen der Rezeptur gemischt und weitere 20 Minuten gekocht.
Kombination mit anderen Arzneien der TCM:
- bei Schwäche des Yin mit hochschlangendem Yang verbunden mit Kopfschmerzen, Benommenheit, Tinnitus, Schlaflosigkeit, Palpitationen (bewusste Wahrnehmung des eigenen veränderten Herzschlags), Angstzuständen zusammen mit
Long Gu (Mastodi fossilium ossis), Bai Shao Yao (Paeoniae lactiflorae alba); - Spermatorrhöe zusammen mit
Long Gu (Mastodi fossilium ossis), Bai Shao Yao (Paeoniae lactiflorae alba), Qian shi (Euryalis semen), Ou Jie (Nelumbinis nodus rhizomatis); - bei starken Uterusblutungen, vaginalem Ausfluss zusammen mit
Long Gu (Mastodi fossilium ossis), Bai Shao Yao (Paeoniae lactiflorae alba), E Jiao(Asini colla corii); - bei spontanem Schwitzen und schwitzen während des Schlafs zusammen mit
Huang Qi (Astragali radix), Fu Xiao Mai (Tritici fructus); - bei geschwollenen Drüsen, Verdickungen der Lymphknoten zusammen mit
Xuan Shen (Scrophulariae radix), Xia Ku Cao (Prunellae spica), Zhe Bei Mu(Fritillariae thunbergii bulbus); - bei Schmerzen unter dem Rippenbogen, hypochondrischen Schmerzen zusammen mit
Chai Hu (Bupleuri radix); Dan Shen (Salvia miltiorrhiza radix), Chi Shao Yao(Paeoniae lactiflorae rubra).
Verträglichkeit mit anderen chinesischen Arzneien:
- Die Wirkung wird gefördert durch Zhe Bei Mu (Fritillariae thunbergii bulbus), Gan Cao (Glycyrrhizae radix), Niu Xi (Achyranthis bidentatae radix), Yuan Zhi (Polygale radix), She Chuang Zi (Cnidii fructus).
- Die Wirkung wird gestört durch Ma Huang (Ephedrea herba), Wu Zhu Yu(Evodiae fructus), Xin Yi (Magnoliae Flos), Xi Xin (Asari radix).
- Dämpft die Giftigkeit von Salmiacum.
Schwangerschaft:
Auch während der Schwangerschaft kann Mu Li (Ostrea concha) angewendet werden.
Giftigkeit:
Ein Überdosierung von Mu Li (Ostrea concha) kann zu dyspeptischen Beschwerden (Verdauungsstörungen) und Obstipation (Verstopfung) führen!
Warnhinweis:
- Nicht anwenden bei feuchter Hitze, fieberhaften Erkrankungen ohne Schweiß, eingeschlossenen äußeren Schrägläufigkeiten!