10.05.2024
Kurz vor den entscheidenden Prüfungen ließ sich eine Schulklasse in Zentralchina an den Tropf hängen. Um bessere Ergebnisse beim Lernen zu erzielen ließen sich die Schüler Aminosäuren verabreichen.
In Deutschland greifen die Schüler kurz vor Klassenarbeiten oder Prüfungen gern zu Schokolade oder Traubenzucker. Zur Not reichen auch Maskotchen aus, damit sie den aufkommenden Prüfungsstress bewältigen können. Doch in China sind die Zulassungsprüfungen für die Hochschulen für jeden extrem wichtig. Sie sind entscheidend für das gesamte weitere Leben der chinesischen Schüler. Wie die englischsprachige Zeitung "China Daily" berichtete, hat sich in der Provinz Hubei eine komplette Schulklasse, um mehr Effizienz beim Lernen zu erreichen, an den Tropf hängen lassen.
Verabreicht werden an einer Oberschule der Stadt Xiaogang bis zu den im Juni stattfindenden Hochschulzulassungsprüfungen Amonisäuren zur Steigerung des körperlichen Allgemeinzustandes. Dieses Lerndoping sei ungefährlich und bei den Schülern beliebt. Zudem ist die Teilnahme an der intravenösen Verabreichung für die Schüler freiwillig, berichtet "China Daily" weiter.
Ziel dieses Unterfangens ist die bessere Vorbereitung der Schüler auf die Aufnahmeprüfungen für die chinesischen Universitäten, genannt Gaokao. Diese Prüfungen werden jedes Jahr am Anfang des Sommers landesweit abgenommen und stellen für jeden jungen Chinesen die wichtigste Prüfung dar. Millionen von Schülern bereiten sich monatelang mit intensivem Lernen und zusätzlichen Abendkursen darauf vor.
Staatsmedien berichten jährlich über zahlreiche Betrugsversuche durch Schüler, Eltern und Lehrer, die meist harte Strafen nachsichziehen. Allein das eine Woche dauernde Gaokao entscheidet darüber, ob und an welcher Universität oder Hochschule die jungen Studienbewerber letztendlich studieren dürfen.
Ob Aminosäuren wirklich dabei helfen ist fraglich. Normalerweise werden sie von Kraftsportlern und Budybuildern zum Aufbau von Muskelmasse eingenommen. Auch Krebspatienten werden sie als Aufbaupräparat verabreicht. Mehrere, von "China Daily" zitierte Mediziner lehnen die Infusion von Aminosäuren allerdings ab. Sie erachten sie werder als notwendig noch für irgendwie sinnvoll.
Wie eine Schülerin berichtete der Zeitung, hätten auch schon Schüler der vergangenen Jahrgänge ein solches Aufbaumittel verabreicht bekommen. Für die Infusionsbeutel wurden extra Drähte in den Klassenzimmern gespannt, um die Infusion leichter während des Unterrichts verabreichen zu können. Eine Schülerin meinte gegenüber "China Daily", dass die Infusionen die Schüler möglicherweise nicht sofort stärker für die anstrengenden Vorbereitungen machen, sie würden aber beruhigen und das Weitermachen erleichtern.
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